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Aktuelles

Jedes siebte Kind lebt von Hartz IV

Im Ruhrgebiet ist die Kinderarmut besorgniserregend.  
Etwa 25 Prozent der Kinder sind arm und damit liegt die Quote über der in Ostdeutschland.
Im Bundesdurchschnitt ist die Kinderarmut nur leicht gesunken.

Da die Gesamtkinderzahl aber gesunken sei, verharre der Anteil derjenigen Kinder, die Sozialleistungen erhielten, auf gleichbleibend hohem Niveau.  

Der Anteil der Kinder, die von Hartz IV leben, hat sich in den letzten fünf Jahren kaum verändert. „Wir haben in Deutschland nach wie vor eine ungeheuer, geradezu skandalös hohe Kinderarmut“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider, am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung einer Studie. Nach wie vor sei in Deutschland jedes siebte Kind auf Hartz IV angewiesen, in Ostdeutschland sogar jedes vierte. Besonders scharf kritisierte Schneider das Bildungspaket der Bundesregierung. Der Wohlfahrtsverband wandte sich mit seiner Studie gegen eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), die Ende Januar veröffentlicht worden war. Demnach ist die Zahl der Kinder, die in Hartz-IV-Familien leben, in den vergangenen fünf Jahren um 13,5 Prozent gesunken. Schneider verwies darauf, dass im Vergleich zu 2006 zwar weniger Kinder auf Hartz IV angewiesen seien, im selben Zeitraum die Gesamtkinderzahl aber gesunken sei. Seit Einführung von Hartz IV verharre der Anteil derjenigen Kinder, die Sozialleistungen erhielten, auf gleichbleibend hohem Niveau.  

Anteil der Kinder in Hartz IV nur geringfügig gesunken  

Seit 2006 ist die Zahl der Geburten um gut fünf Prozent zurückgegangen. Der Anteil derjenigen Kinder, die von Hartz IV leben, ist im selben Zeitraum jedoch nur geringfügig gesunken. Während im Dezember 2006 16,6 Prozent der Kinder auf Sozialleistungen angewiesen waren, waren es fünf Jahre später noch 14,9 Prozent. „Von einem Trend, geschweige denn von einem Durchbruch Richtung Armutsbekämpfung kann statistisch überhaupt nicht die Rede sein“, betonte Schneider.
Besonders betroffen von Armut sind Familien mit mehreren Kindern sowie Alleinerziehende. Jedes zweite Hartz-IV-Kind lebe in einem Alleinerziehendenhaushalt, sagte Schneider. Dies sei zudem völlig unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. So seien Alleinerziehende und deren Kinder auch in Bayern und Baden-Württemberg, wo ansonsten vergleichsweise wenig Kinder von Sozialhilfe lebten, besonders stark auf die Grundsicherung angewiesen. Die Hälfte der Alleinerziehenden in Hartz IV habe keinen Berufsabschluss, 19 Prozent von ihnen nicht einmal einen Schulabschluss.
Es reiche daher nicht aus, Betreuungsplätze für die Kinder zu schaffen. Um das Problem zu lösen, brauche es zudem qualifizierte Aus- und Weiterbildungsangebote sowie Beratung, sagte Schneider. Er forderte zudem eine Erhöhung des Kinderzuschlags sowie eine Anhebung der Kinderregelsätze. Der Bundesregierung warf er vor, vor allem „Sonntagsreden“ zu halten und gleichzeitig den Rotstift anzusetzen.  

Scharfe Kritik am Bildungspaket  

Insbesondere das Bildungspaket sei ungeeignet, um das Problem der Kinderarmut zu lösen. „So wie das Bildungs- und Teilhabepaket angelegt ist, kann es nicht funktionieren“, sagte Schneider. Das Bildungspaket sorge „in erster Linie“ für Bürokratie, sei in der Praxis aber längst gefloppt. Anstatt Gutscheine zu verteilen, müssten die Institutionen vor Ort gestärkt werden.  

Der Wohlfahrtsverband wertete die Entwicklung im Ruhrgebiet als besonders problematisch. Bei steigender Tendenz liege dort die Kinder-Armutsquote (25,6 Prozent) höher als in Ostdeutschland. Insbesondere die Entwicklung in Städten wie Mülheim oder Hamm sei dramatisch, sagte Schneider und sprach von einem „armutspolitischen Erdrutsch“. Im Vergleich der Bundesländer ist der Anteil der Kinder in Grundsicherung in Berlin am höchsten. Dort sind es 33,6 Prozent.  

Positive Entwicklungen sind nach Erkenntnissen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands aber in Ostdeutschland zu beobachten. Dort sei der Anteil der Kinder, die auf Hartz IV angewiesen seien, „kontinuierlich von 30,5 auf 24,1 Prozent“ gesunken, sagte Schneider. Dies sei immerhin ein Rückgang um 21 Prozent, wenn auch weiterhin auf hohem Niveau. Allerdings sei auch dies vor allem auf die demografische Entwicklung zurückzuführen.

Wer ist arm?  

Als einkommensarm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnitts verdient. Da dieser Referenzwert unterschiedlich ermittelt wird, gibt es keine absolut verbindliche Zahl. Die Angaben schwanken leicht. Die Armutsgrenze definiert das Existenzminimum.
Der höchste Wert für die Armutsschwelle bei einem Single liegt derzeit nach EU-Definition bei 966 Euro im Monat. Eine andere Zahl nannte das Statistische Bundesamt mit 940 Euro. Hierzulande leben dem Amt zufolge 12,6 Millionen Menschen oder 15,6 Prozent der Bevölkerung (Stand 2009) unter dieser Schwelle.  

Die Bundesregierung nannte jüngst eine noch niedrigere Zahl: Danach gilt als armutsgefährdet, wer mit weniger als 929 Euro im Monat einschließlich staatlicher Sozialleistungen wie Wohngeld oder Hartz IV auskommen muss.
Die durch eine Prozentzahl festgelegte Armutsgrenze macht den Armutsbegriff relativ: Solange es unterschiedliche Einkommen gibt, verschwindet Armut damit per Definition nie.  

Die Armutsquote, die die Zahl der Armen ins Verhältnis zur Gesamtbevölkerung einer Stadt oder eines Landes setzt, ist ebenfalls nicht absolut zu sehen: Zieht zum Beispiel ein Superreicher um, erhöht dies an dessen neuem Wohnort die Armutsquote, denn dort steigt statistisch betrachtet das Durchschnittseinkommen. Den umgekehrten Effekt gibt es am früheren Milliardärs-Wohnsitz: Dort sinkt - rein rechnerisch - die Zahl der Armen, obwohl sich an deren finanzieller Situation gar nichts geändert hat.

Quelle: (dpa/dapd) Frankfurter Rundschau

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